Der von mir persönliche Blick zurück auf
das (fast) vergangene Jahr. Und was ich schon immer mal schreiben wollte, alles
ohne KI geschrieben, mich gibt es echt, wahrscheinlich könnte so kein ChatBoot
schreiben. SCHERZ. Also für mich ist es Jahr eins nach dem eingeleiteten
Untergang von „Brunhilde“. Doch erstmal möchte ich mich bei allen entschuldigen,
die Brunhilde heißen, bitte nicht persönlich nehmen.
Am 2.12. war meine letzte Chemo ein Jahr
her, und ich kann sagen, es geht mir gut, natürlich ist nichts mehr, wie es
war. Es gibt Lustiges dazu, wie z. B. keine Haare mehr auf dem Rücken. Doch der
Körper hat sich echt verändert, und auch die Belastbarkeit ist nicht mehr so
wie ich es kannte, aber ich lebe und nehme ordentlich am Leben teil. Hier werden
nicht die Hände in den Schoss gelegt, es sei denn zum Überlegen.
Es ist aber auch das Jahr eins nach dem Tod
meiner Mutti, oder wie ich sie wirklich liebevoll nannte: MUTTER. Ja, sie fehlt
mir, das wird auch so bleiben, mir kommen immer die Tränen. Obwohl ich zu
meinem Vater genauso ein gutes wie inniges Verhältnis wie zu meiner Mutter
hatte, so hat uns doch der Verlust noch enger zueinander gebracht. Wir sind täglich
im Austausch über das, was anliegt, darüber wie der Tag war. Es ist so wie
damals, als ich klein war, ihm immer alles erzählt habe, nur jetzt eben umgekehrt,
und das ist sehr schön, wie er mich nun in seinen Tag mitnimmt.
Das Jahr fing ruhig an, kaum war die
letzte Rakete von Silvester verbrannt, ging auch schon der Wahlkampf los für
den neuen Bundestag. Das Beste daran war für mich, dass Die Linke doch relativ
sicher, relativ stark wieder einziehen konnte, was viele nicht erwartet hatten.
Schlimm war bzw. ist, dass diese umlackierten Braunen (auf blau) so stark sind,
das war allerdings zu erwarten. Und ich denke, es wird noch schlimmer, solange
solche „Pfeifen“ wie Herr Spahn durch die Politik gehen können, ohne zur Verantwortung
gezogen zu werden. Wie ein Kanzler erst durch das Land geht und Menschen
beleidigt mit seinem Stadtbild-Unfug und später nach Brasilien fliegt, um auch
da Menschen zu beleidigen. Wahrscheinlich hatte er sein Praktikum beim orangefarbenen
Präsidenten, immer nur nach unten treten, nie für Gerechtigkeit im Land sorgen,
also auch endlich mal für Steuergerechtigkeit sorgen, endlich mal dafür sorgen,
dass alle in die Kranken- bzw. Rentenkassen einzahlen. Das treibt eben das
„scheue Wahlvolk“ den Populisten in die Arme.
Also ich kam extra von der Reha nach Hause,
um mein Kreuz zu machen, damit es noch nicht ganz so gruselig wird. Schon sind
wir bei meiner Reha, gut, da gibt es nicht so viel darüber zu schreiben. Ich
wollte nicht hin, dachte doch, es bekommt man alles schon so in den Griff, frei
nach dem Motto: Das bisschen Chemotherapie, die paar Metastasen. Hochmut kommt
vor dem Fall, das hat definitiv nicht funktioniert. Schnell sind die Grenzen aufgezeigt
worden. Heute sage ich: Gut, dass ich es gemacht habe. Was mir dort auch so
richtig ins Bewusstsein gekommen ist: Die richtig schweren Jobs, also die, wo
es so richtig zur „Sache“ geht, machen Frauen. Sie können so viel aushalten
(besonders uns „Schwanzvertreter“), sie sind diejenigen, DIE echt den „Laden“
am Laufen halten. Also liebe Schwanzträger, etwas mehr Demut und Dankbarkeit
tut uns allen gut, mal drüber nachdenken, wer uns, wenn alles „Scheiße“ ist,
hilft oder immer geholfen hat.
Nun aber weiter in meiner Reise durch
das Jahr, quasi durch meine Themen. Wichtig war, dass ich auch zum Fußball
gehen konnte, auch zu meinem Herzensverein BFC Dynamo. Berliner Pokalfinale: Es
wurde gewonnen, es wurde gefeiert, ich ging über den Zaun auf den Rasen und lag
vor Freude im Tor. Doch war es nur die Freude über den gewonnenen Pokal? Ein
lieber Mensch, eine gute Freundin meinte, es tut so gut zu sehen, dass Du all
diesen Blödsinn machst, dass Du so fest auf Deinen Beinen stehst, dabei ist
dieser Mist erst ein halbes Jahr her. Wer hätte das gedacht, dass dieses alles wieder
so schnell geht. Dieser Satz sollte im Laufe des Jahres noch öfter kommen, wo
mir aufgezeigt wurde, ich möge doch mal bitte etwas demütiger sein.
Und der Fußball hatte noch einen anderen
großen Beitrag in diesem Jahr, ein Ereignis, ein Erlebnis, das alles veränderte,
quasi mir die Tränen immer wieder ins Gesicht treibt, doch dieses Mal die Tränen
der Freude. Ich lernte meine Enkeltochter kennen, meine kleine Herzverzauberin.
Gut, es war bei Union, doch da merkte ich, wie unwichtig doch Fußball sein kann,
jedenfalls das Spiel an diesem Tag, aber eben auch, wie dadurch Brücken gebaut
werden können. Es war der Tag, an dem ich richtig OPA wurde, etwas, womit ich
nicht gerechnet hatte.
Da wurde mir klar, Du kannst ja
versuchen, alles zu planen oder eben alles versuchen, im Griff zu haben, doch
merke: Das Leben ist eben nicht planbar, da kommen so kleine Menschen daher auf
kleinen Turnschuhen, lächeln Dich an und schon fällst Du um und alles ist
ANDERS SCHÖN. Womit ich auch schon bei einem der schönsten Dinge in diesem Jahr
bin, Zeit mit meinen Kindern. Das war auch nicht vorhersehbar, darum bin ich
hier sehr demütig. Meine „kleine“ Nele ist nun auch schon eine erwachsene Frau (ich
bin schon echt alt). Wir hatten und haben schon immer ein inniges Verhältnis.
Gerne und oft treffen wir uns zum Essen, spazieren gehen usw., was auch sehr großartig
ist Sie hat mir einen ganz lieben „Schwiegersohn“ geschenkt, der ist echt eine
Bereicherung für Familie und Herz.
Vor allem auch der schöne Kontakt zu
meinem Sohn, Jahre der Funkstille sind nun (hoffentlich für immer) auf dem Müll
gelandet. Es tut so gut, sich mit ihm zu unterhalten, sich mit ihm zu treffen, auch
das Einbeziehen bringt immer Licht und Wärme. Oder es ist so, als ob Milch und
Honig auf die Seele fließen. Das war nun wirklich nicht vorhersehbar, ich hatte
vor dem ersten Treffen nach vielen Jahren die Hosen gestrichen voll. Doch er
machte es einfach, auch das „Wieso Weshalb Warum“ haben wir (erstmal) zurückgelassen.
Der Blick geht nach vorn und eben nicht zurück. Natürlich lebt er nicht allein,
er brachte nicht nur die Herzverzauberin mit, sondern auch eine ganz
wundervolle „Schwiegertochter“, die mich erstmal vorsichtig beäugte, verständlicherweise
vorsichtig, es geht ja hier um Menschen und nicht um einen Beliebtheitswettbewerb.
Danke, mein Lieber!
Nun mal ein kleiner Schwenker zu etwas
anderem, was ich schon immer gerne gemacht habe. Konzerte, früher konnte ich
davon nicht genug bekommen. Dann kam „Brunhilde“, und damit war erstmal
Schluss. Doch jetzt geht es wieder nicht mehr so oft und manchmal auch nicht so
lange, da wird schon mal auf die Zugabe verzichtet, weil eben die Beine
schmerzen oder anschwellen, aber es geht wieder. Ob nun ein Klavierkonzert von
Nirvana-Musik, vorgetragen von Christoph Spangenberg, zum OUT OF LINE Festival
über De/Vision zu Forced to Mode, wo auch viele Freunde waren, wir alle einen
ganz zauberschönen Abend hatten. Es gab noch einige Konzerte mehr und auch eine
wunderbare Kabarett-Veranstaltung und einen Mitsing-Abend.
Doch es sind die lieben Menschen um mich,
die quasi wie einen Schutzwall um mich gebaut haben. Mein Freund Andy, der mich
zum Singen mitgenommen hat und zu vielen anderen kleinen Veranstaltungen.
Christian, der immer anruft, mit mir oft im regen Austausch über Politik und
das Leben im Allgemeinen ist, mit dem ich oft Kaffee trinke und er meint, das
müsste noch viel öfter sein, wo er natürlich recht hat. Er ist einer der
Freunde, auf deren Meinung ich viel Wert lege. Was jetzt nicht heißt, dass ich
das bei anderen Freunden nicht mache, aber Christian ist einer der Menschen,
der mich eben schon seit meinem 16. Lebensjahr begleitet. Meine liebe Freundin
Katrin, die nicht nur meine Kollegin ist, sondern auch Begleiterin in ganz
schweren Zeiten war, sie ist maßgeblich daran „schuld“, dass ich schreibe.
Meine liebe Freundin Henni, wo es fast jeden Donnerstag das beste Frühstück
gibt, was auch immer der beste Gedanken-Austausch ist, wo es bis zum
Gedankenschmerz geht. Und meine liebe Gabi, die auch eine ganz wunderbare
Tochter inkl. Mann in unsere nun kleine Familie gebracht hat. Sie, die mich nun
seit einiger Zeit quasi trägt und erträgt, die immer in Sorge um mich ist. Die
mich durch die schwerste Zeit meines Lebens gebracht hat. Und nun dennoch all
den Quark mitmacht. Wie zum Beispiel der Kauf eines Schuhschranks, was dann im
Kauf eines großen Tisches und verschiedenen Stühlen endete, was gleichzeitig
bedeutete, dass renoviert werden durfte. Es wurde also ein Nest gebaut. Dass
ich dieses noch einmal mache, noch einmal erlebe, hätte ich auch nicht gedacht.
Und ich hatte es auch nicht vor.
Als ich letztes Jahr eingezogen bin, wurde
doch alles so gemacht, dass es für mich passte, ich wollte hauptsächlich mit
mir allein wohnen, und da rede ich jetzt mal ganz offen. So wusste ich doch, dass
nach der Behandlung nichts mehr im Bett gehen wird, quasi „Tote Hose“, aber so
richtig. Doch auch hier habe ich komplett falsch gelegen. Mein lieber Urologe, der
mich die ganze Zeit wunderbar begleitete, nahm mir die Sorgen und die Angst.
Genau wie meine Mutter, sie meinte noch (ich weiß, sie sieht mir jetzt bestimmt
von oben zu): Es gibt so viel mehr, selbst nur gemeinsam daliegen kann so schön
sein, einfach nur den anderen Menschen spüren, nicht allein sein, das ist es.
Natürlich habe ich das auch immer vorher gesagt, aber eben zu anderen. Das Leben
ist so vielschichtig, es ist schön, es ist immer voller Überraschungen. Manchmal
sind es kleine Gesten, kleine Taten, die man selbst gerade nicht auf dem
eigenen Schirm hatte und somit manche Dinge so richtig groß werden lassen. Ich/Wir
lernten viele neue Menschen kennen, z. B die liebe Beraterin vom Integrationsfachdienst,
erst von Brandenburg, die dafür sorgte, dass wir Unterstützung bekommen bzw.
sich einsetzte, dass auch eine super Beraterin aus Berlin vorbeischaute, sich
alles ansah und dann die richtigen Schritte einleitete, hier ein ganz großes
Danke.
Dann die lieben Menschen in „Lobetal“, wo
ich als Assistent in der Suchtberatung arbeiten durfte. Was für großartige
Menschen! Hier lernte ich zu sehen, die wichtigen Dinge zu erkennen, zu begreifen,
worauf es doch so oft im Leben ankommt und dass man wirklich hin und wieder
ruhig mal etwas demütig sein sollte, auch DANKE sagen zu dem, was man hat oder
erleben darf. Die drei Freunde von der Bergsteigergruppe haben mir gezeigt, wo
ich hinsehen muss. Vielleicht war es ihnen nicht bewusst, doch sie haben mir
nach meinem schweren Jahr zuvor viel Kraft und Zuversicht gegeben. Und auch
meine „andere“ Arbeit macht wieder richtig Spaß und Freude, genauso die Arbeit
mit „meinen“ beiden Bauleitern Henry und Andreas brachten viele neue
Erkenntnisse. Beide Menschen machten mir so viel Mut, sie wussten von der
Erkrankung, und sie nahmen auch Rücksicht, wenn ich nicht so konnte bzw. mal
einen Termin „versemmelt“ hatte. Lustig ist aber, dass sich beide Herren überhaupt
nicht kennen. Genauso das Wandern und der Besuch beim Pressefest waren so schöne
Erlebnisse (dazu gab es auch einen Blog).
Es gibt noch so viel mehr zu schreiben,
und eigentlich möchte ich am liebsten jedem einzelnen Menschen danken, und ganz
bestimmt habe ich jemanden vergessen, doch bitte tragt es mir nicht nach. Mit
allen Menschen, mit denen ich dieses Jahr erleben durfte, mit allen, mit den
ich arbeiten durfte. Mit allen, die mich mitgenommen haben zu was auch immer: DANKE,
dass es Euch alle gibt!
Im Adventskranz brennt nun schon ein Licht.
Es dauert nicht mehr lange, dann sind alle vier Kerzen an. Zeit, um innezuhalten,
Zeit für gutes Essen, Zeit für Familie (ich bin so dankbar, dass ich OOOPPPPAAAA
bin), Zeit für Erholung. Allen eine schöne Adventszeit, einen schönen Abschluss
zum Jahresende und einen guten Start hoffentlich in Frieden!