Da habe ich mich mal auf den Weg gemacht, und zwar auf den Weg zu mir. Der Eine oder Andere wird es vielleicht als Egoismus sehen oder was für ein selbstverliebtes Arschloch ich wäre. Das ist auch okay, das darf sein, ist ja nicht meins. Seit etwas mehr als drei Wochen bin ich nun auf Reha, wie man so schön sagt. Es ist meine zweite Reha, die erste hatte ich aus jetziger Sicht „nur“ abgearbeitet, sah diese als nötig, jetzt über ein Jahr später konnte ich vieles verarbeiten, vieles neu betrachten. Auch „Brunhildes“ unerwünschten Einzug und meine Gegenwehr dann. Ich sage mal, es steht wohl 1:1, wir gehen in die Verlängerung. Eines muss klar sein, ich gebe noch nicht auf, ich habe es auch versprochen vor ein paar Monaten. Meine kleine Enkeltochter stand da, sagte: „Du, der Uropa ist ja doll krank, aber Du, lieber Opa, stirbst nicht!“ Ich sagte einfach nur: „Nein!“ und weinte leise, war dankbar über diese wunderbare Zuneigung.
Mit diesen Gedanken der schönen Art, aber auch mit der Sorge um den Vater ging es zur Reha, begann ich die Reise zu mir. Ich benutze mal ein Zitat von Joschka Breitner (ist eigentlich Karsten Dusse): „Selbstfindung ist keine Suche, Selbstfindung ist Aufräumen.“ Ich möchte mal sagen, das kann auch weh tun. Ich habe Sachen über mich vorgeholt, wo ich sage, das war nicht gut, einige Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren schlecht, manche sogar richtig schlimm. Doch es sind auch diese Dinge, die uns am Ende ausmachen, es sind die Entscheidungen, die dazu führten, dass man gemocht, geliebt, akzeptiert wird. Aber auch die Menschen, die sich abgewendet haben, gehören dazu. Ich habe gelernt, nur wenn Du mit Dir klar bist, wenn es Dir gut geht, Du auf Dich aufpasst, erst dann kannst Du für andere gut sein. Ansonsten, wenn man sich hinter Hilfsbereitschaft und dem „da sein für andere“ selbst versteckt, nur damit man es nicht mit sich zu tun hat, wird es einen vielleicht kaputt machen. Damit ist dann am Ende niemandem geholfen, man selbst kann nicht mehr und die anderen Menschen, für die man gerne gegeben hat, sind auch nicht mehr da. Man enttäuscht sich und andere Menschen.
Manch einer sagt, ich möchte ein besserer Mensch werden. Doch was ist das? Schön wäre, so meine ich, wenn wir alle etwas achtsamer mit allem umgehen. Ich habe hier so viel Zeit mit mir bekommen, hab viel in mich gehört, viel mit anderen Menschen reden können. Ich habe viele positive Energie bekommen, konnte auch viel geben. Liegt vielleicht daran, dass wir hier irgendwie alle in Verlängerung mit „Brunhilde“ sind, bei dem einen oder anderen sogar schon die Verlängerung der Verlängerung. Ich habe Zeitinseln kennengelernt, eine wichtige Erkenntnis. Sich Zeit nur für sich zu nehmen, das kann mal nur für ein paar Minuten sein, aber auch ein Wochenende oder sogar Wochen. Kraft tanken, Dinge sortieren, auch in schöne Erinnerungen zu gehen.
Ich glaube wirklich, wenn wir gut zu uns selbst sind, haben Hass, Neid und Missgunst keine Chance. Am Anfang muss ich mich erst einmal mögen, mich lieben, erst dann kann ich dieses auch weitergeben. Ich kann sagen, dass ich mich oft nicht mochte, ich mir egal war, Maske auf und rausgegangen bin. Hab gesoffen, hab geraucht, hab enttäuscht, auch meine Kinder enttäuscht, bin heute so dankbar, so glücklich, dass sie da sind. Gilt auch für meine Freunde, die nicht weggerannt sind, obwohl ich bestimmt hin und wieder eine Zumutung war. Für mich habe ich erkannt, es tut gut bei sich zu sein, was man an Positivem erfährt, kann man auch gut zurück- bzw. weitergeben. Und falls mal wieder etwas Schlechtes kommt an Gedanken, diese vielleicht einfach mal aufschreiben, Pflaster aufkleben, dann sind sie vielleicht weg. Also Armdrücken, sich immer in die Arme nehmen und nicht gegeneinander- oder auch nicht mit sich kämpfen.







