Ich meine hier mal nicht Messi, Ronaldo, Nagelsmann oder Deschamps. Nein, ich spreche von meinem Vater, auch ein großer Fußballer, für mich auf jeden Fall, für mich quasi der größte Spieler überhaupt. Er hat mich als Kind mitgenommen zu seinen Spielen. Ich durfte zusehen, durfte mich auch mal mit ins Tor stellen. Und sie haben mir immer so die Bälle zugeschossen, dass ich auch einen Schuss halten konnte. Selbst als ich noch im Kinderwagen lag, wurde ich mitgenommen, denn wo sollten meine Eltern mich auch hingeben? Also kam das Kind mit. Nach dem Spiel wurde ich auf dem Tresen in der „Molle“ in Wilhelmsruh gewickelt.
Fußball war immer da, spielte eine große Rolle bei uns in der Familie. Mein Urgroßvater war bei Preußen Bavaria, später nach dem Krieg erst bei Vorwärts Berlin, dann war er bei Dynamo. Als er nicht mehr spielen konnte, riss er die Karten ab. Mein Opa spielte auch immer Fußball, bei Nordring Berlin, dann später bei Bergmann Borsig.
Das alles machte auch mein Vater, seit er vier Jahre alt war bis zu seinem 79. Lebensjahr, quasi spielte er in allen Altersgruppen. Man könnte meinen, ich hätte das Talent bekommen, nein, leider war das nicht so. Sicher, ich spielte auch in all diesen Vereinen, Nordring oder Bergmann Borsig, doch es reichte nicht. Nun hat mein Vater auch diese Scheißkrankheit, und ich kann täglich von ihm Abschied nehmen. Richtig laufen geht nur noch beschwerlich, die Unterhaltungen werden kürzer. Es kommt eine Traurigkeit, gleichwohl auch der Wunsch nach Erlösung. Er war ein Kerl wie ein Baum, und ich dachte den „Alten“ wirst Du mal im Mittelkreis beerdigen müssen.
Doch das Leben hat eben oft einen anderen Plan. Für mich war er immer mehr als nur mein Vater, er war mein Freund, er war auch der, mit dem ich streiten konnte. Wir haben uns manche Wortschlacht geliefert, doch immer wieder zueinander gefunden. Er hat mir geholfen, als er mir Scheiße ging. Auch als ich selbst an Krebs erkrankte, war es für ihn wichtig, mich zur Chemotherapie zu fahren. Es hat ihn fast zerrissen, dass ich erkrankte, dann der Tod seiner „Kleenen“, meiner Mutter, schmerzte so sehr, ließ uns noch näher zusammenrücken. Doch jetzt liegt es an mir, ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten, einfach noch ein paar Stunden zu haben. Auch wenn er jetzt schon mal sagte: „Nun ist es mal genug mit dem Leben, die „Kleene“ fehlt mir und Du, mein Junge, wirst mir fehlen.“ So ein Satz kann auch Hoffnung machen. Ist vielleicht doch nicht alles danach vorbei, und wir sehen uns alle wieder und spielen dann bestimmt wieder Fußball, auch wenn es jetzt keine schöne WM war. Doch das Finale gehört meinem Vater. Papa, ich liebe Dich, ich halte noch etwas Deine Hand, bis es so weit ist. Danke für die schönen Jahre. Danke an die lieben Menschen im Hospiz, die sich so wundervoll um ihn kümmern.







