Heute bin ich mit dem falschen „Wein“ aufgestanden. Klingt erstmal lustig, ist aber eigentlich traurig, da wir zu viel trinken. Und leider ist es oft so, wenn wir keinen Alkohol möchten, müssen wir das begründen. Die einzige Droge, wo ich mich rechtfertigen muss, wenn ich sie nicht will. Alles nur, weil der „Suff“ gesellschaftsfähig ist, quasi zum guten Ton gehört.
Doch darum geht es mir heute nicht. Weinen, da wird man(n) ja auch hin und wieder belächelt. Wir sollen alle stark sein, „harte Hunde“ quasi, doch was ist eigentlich ein harter Hund? Ist es der, der schon steif ist, also tot? Na vielen Dank, damit möchte man lieber nicht verglichen werden. Dabei ist es wirklich nicht schlimm, wenn man weint. Man ist dann weder schwach noch ein „Mädchen“, auch so ein Spruch, den man nicht braucht. Wir weinen natürlich oft, wenn wir traurig sind, etwas total Beschissenes passiert ist. Wie der Verlust eines lieben Menschen, Trennung, die so schmerzen kann, dass man keine Luft mehr bekommt. Oder ein verlorenes Spiel usw.
Oft können wir auch vor Glück weinen, also Glückstränen. Was habe ich geheult, als meine Tochter geboren wurde, auch bei meinem Sohn viele Jahre davor waren die Augen nicht wirklich trocken. Dieses Jahr, als ich meine Enkeltochter kennenlernen durfte, da lief das Wasser auf dem Weg nach Hause wie ein fröhlicher Bach. Ich konnte meine Glücksgefühle kaum fassen, zumal es eine Vorgeschichte gab, ich nicht mehr damit gerechnet hatte und auch selbst wenig dafür getan hatte.
Also ruhig mal weinen, und es tut auch oft gut, das ist ein wenig wie Großreinemachen. Der ganze Schmutz kommt dabei raus, die doofen und scheiß Gedanken werden rausgespült, es ist Platz für schöne Geistesgüter und Gefühle. Auch wenn man einen scheiß Tag hat oder mal Angst vor Aussagen und Ergebnissen hat, ruhig mal weinen, ruhig mal Gefühle zeigen. Denn wie sollen sonst andere Menschen erkennen, wie es uns geht? Alles in sich reinfressen macht nur schlechte Laune, und man bekommt ein Magengeschwür, das ist auch so sinnvoll wie Kacke am Schuh. Ich für mich kann sagen: Ich weine, oft heule ich sogar richtig doll, meistens geht es mir dann danach etwas besser, dann ist alles erstmal raus. Der Kloß im Hals wird weniger, der Knoten im Magen löst sich. Geht nicht sofort, aber es stellt sich oft Zuversicht ein. Und man kann dann mit vielen Dingen besser umgehen, ob es nun scheiß Nachrichten sind oder wenn es ordentlich „Feenstaub“ gab.
Deshalb meine ich, Gefühle zu zeigen ist keine Art von Schwäche, sondern Stärke. Es bedarf schon etwas Mut in unserer Gesellschaft, wenn man zeigt, wie es Einem selbst wirklich geht. Darum auch hier der alte Satz: Macht Armdrücken (nehmt euch in die Arme)!

Sehr schön! Meine Meinung! Ich sehe das genauso!
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